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Von der Buckelpiste zum Mega-Airport  – Die Evolution der Flughäfen

Als die Gebrüder Wright an jenem 17. Dezember 1903 die Welt mit dem ersten geglückten Motorflug in Begeisterung versetzten, waren sie sich wahrscheinlich mehr der Bedeutung des gerade gelungenen revolutionären Fluges bewusst, als der Tatsache, dass sie soeben zeitgleich den ersten Flughafen der Welt eröffnet hatten.

Vom Seehafen zum Flughafen

Der Name „Flughafen“ leitet sich aus einem einfachen Umstand in den Anfangstagen der Fliegerei ab: als sich die ersten Fluglinien entwickelten und eine kommerzielle Erschließung des Flugzeugs als Transportmittel stattfand, gab es noch so gut wie keine Infrastruktur für einen geregelten Flugverkehr an Land. Aus diesem Grund wurden vorwiegend Wasserflugzeuge eingesetzt, welche zunächst in herkömmlichen Seehäfen abgefertigt wurden. Fortan bezeichnete man die Start- und Landefelder für Flugzeuge einfach als „Flughafen“.

Mit dem Vorstoß der Gebrüder Wright betrat der Mensch eine ihm bisher unbekannte Welt. Es entstand eine regelrechte Aufbruchsstimmung und rasch folgten weltweit weitere Flugpioniere und entwickelten zuverlässigere und leistungsstärkere Flugzeuge. Doch schon sehr früh stieß man auf ein ebenso einfaches wie praktisches Problem: Ein Flugzeug allein genügt nicht. Man braucht ausreichend Platz, um überhaupt erst einmal in die Luft zu kommen und wenn man dort ist, benötigt man auch wieder einen geeigneten Ort, um das Flugzeug zu landen. Man begann Wiesen von Bäumen, Sträuchern und anderen Hindernissen zu befreien. Die Piloten konnten ihre Flugzeuge auf diesen sogenannten „Aerodromen“ von allen Richtungen aus landen und abstellen.

Wendepunkt Weltkrieg

Waren es zu Beginn noch ausschließlich tollkühne Flugpioniere, die die Lüfte eroberten, so war der Erste Weltkrieg ein entscheidender Wendepunkt in der Entwicklung. Das Flugzeug wurde militärisch erschlossen und verbreitete sich fortan rasant. Mit dem Ende des Krieges im Jahre 1918 gab es plötzlich für etliche Maschinen keine Verwendung mehr. Das Flugzeug als Transportmittel von Passagieren war in Europa geboren. Nun reichte es nicht mehr, einfach nur eine Wiese zum Starten und Landen zu haben, man benötigte auch entsprechende Gebäude zur Abfertigung der Passagiere. Vorreiter war hier 1920 der Flughafen Croydon in London, welcher als weltweit erster internationaler Verkehrsflughafen gilt. In Paris entstand zeitgleich „Le Bourget“ und in Berlin wurde „Tempelhof“ gebaut – ab sofort galt der Besitz eines Flughafens als Prestigeobjekt und als Stolz einer ganzen Region, visionäre Bauvorhaben wurden großzügig von Regierungen gefördert. Während man in Europa bereits früh auf architektonisch imposante Bauten setzte und sich bei der Gestaltung der Flughäfen am Vorbild von Bahnhöfen orientierte, vollzog sich dieser Prozess auf der anderen Seite des Atlantiks, in den USA, etwas langsamer. Hier dienten Flughäfen zunächst als Unterhaltungsort. Die Menschen kamen, um sich waghalsige Schauflüge anzusehen, nicht um selbst zu Fliegen - statt Architektur gab es Graspisten mit angeschlossenem Vergnügungspark. Erst mit der Aufnahme von Posttransportflügen ging man in den USA dazu über, zweckmäßige Flughäfen im ganzen Land zu bauen. Ausschreibungen brachten teils abenteuerliche Konzepte hervor. Vom Flugplatz über den Dächern einer Großstadt, schwebend auf dem Fundament mehrerer Hochhäuser, über sternförmig ausgerichtete Landebahnen bis hin zu Konzepten, die Bahnhof, Flughafen und Seehafen unter einem Dach vereinen sollten, fand sich alles in den futuristischen Plänen thematisch unerfahrener Architekten. Der Flugpionier Charles Lindbergh, der als erster Mensch in einem Flugzeug den Atlantik überquerte, nutzte seinen Status als Volksheld, um auf einer Tour quer durch die USA für den Bau weiterer Flughäfen zu werben. Er ließ Kontakte in Wirtschaft und Politik spielen, oft stand wenige Tage nach seinem Besuch bereits die Finanzierung für städtische Flughafenprojekte. Die politische Brisanz von Flughäfen zeigt sich besonders deutlich am Beispiel des Flughafens New York „LaGuardia“. Der damalige Bürgermeister von New York, Fiorello LaGuardia, war im Jahre 1939 so empört über die Tatsache, dass er auf einem Flug nach New York auf dem im benachbarten Bundesstaat New Jersey liegenden Flughafen „Newark“ landete, dass er wenig später den Bau eines neuen Flughafens auf New Yorker Terrain in Auftrag gab. Mit dem zweiten Weltkrieg hielt dann erneut eine Vielzahl von Innovationen Einzug in die Luftfahrt. Wo vor dem Krieg noch unbefestigte Graslandeflächen waren, gab es anschließend betonierte Pisten, die je nach Windrichtung angeflogen werden konnten, auch wurden viele Flughäfen aus- oder neugebaut. Statt Radiotechnik stand nun fortschrittlichere Radartechnik zur Verfügung, Landebahnbeleuchtungen hielten flächendeckenden Einzug und ermöglichten so auch Flugbewegungen im Dunkeln. Die Gründung einer internationalen Behörde für Luftfahrt, der heute noch aktiven ICAO (International Civil Aviation Organization), sollte 1945 eine Standardisierung in den stetig komplexer werdenden Anforderungen eines Flughafens ermöglichen und weltweit einheitliche Regeln schaffen.

Veränderung als einzige Konstante

Die immer rasantere Entwicklung neuer Verkehrsflugzeuge stellte automatisch neue Ansprüche an die Flughäfen: Meilensteine wie die Boeing 707, das erste Düsenflugzeug der Welt, erforderten längere Landebahnen. Mit der Boeing 747, dem riesigen „Jumbojet“, wurden sämtliche Grenzen für die Dimensionen von Flughäfen neu definiert. Die Entfernung zu den Stadtzentren wuchs, ein Flughafen wurde immer mehr zu einer eigenen, unabhängigen Stadt von enormer wirtschaftlicher Bedeutung für eine Region. Ständig neue Technik machte die Abläufe am Flughafen nicht nur sicherer, sondern spezielle Navigationssysteme zur Landehilfe ermöglichten auch Anflüge bei schlechtem Wetter. Heute sind Flughäfen die Tore zur Welt. Sie bieten zigtausende Arbeitsplätze, besitzen eigene Bahnhöfe und spielen eine zentrale Rolle in der Infrastruktur eines Landes. Mit oftmals integrierten, riesigen Einkaufspassagen spielen sie auch im Hinblick auf nicht-luftfahrtbezogene Sparten eine wichtige Rolle für die Menschen in ihrer Umgebung. Sie haben Ausmaße angenommen, die jegliche Vorstellungen übersteigen. Bei zukunftsweisenden Projekten in Japan oder Hong Kong entstanden bereits Flughäfen auf künstlichen Inseln vor der Küste.

Insgesamt existieren inzwischen fast 50.000 Flughäfen, alleine am Flughafen Wien werden monatlich mit fast 2 Millionen Passagieren mehr als fünfmal so viele Fluggäste abgefertigt, wie im gesamten Jahr 1932 weltweit.

Man sagt, dass man niemals einen fertiggestellten Flughafen sehen könne, da diese sich stetig weiterentwickeln. An diesem Ort der großen Innovationen, dem Flughafen, wird daher wohl immer die einzige Konstante die Veränderung sein…

Text: Maximilian von der Hagen

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