Das unabhängige Fachmagazin (nicht nur) für den Laien

Delta / Northwest – Die größte Airline der Welt

In der Geschichte der Luftfahrt gab es immer wieder jene Airlines, deren Größe, Macht und Einfluss alle anderen Wettbewerber in den Schatten stellten. Die Rede ist von wahren Imperien, namhafte Vertreter ihrer Zeit waren zum Beispiel die visionäre Pan American Airways, besser bekannt als Pan Am oder die US-amerikanische Trans World Airlines, kurz TWA. Trotz ihres späteren Niedergangs sind beide Marken bis heute für viele Menschen der Inbegriff einer Airline-Dynastie.

Als am 14. April 2008 die Meldung die Runde machte, dass die beiden US-Fluggesellschaften Delta Air Lines und Northwest Airlines einen Zusammenschluss planen, zeichnete sich die Geburt eines neuen Imperiums ab.

Waren die letzten zehn Jahre doch eher von einem Kopf-an-Kopf-Rennen unter den größten Fluggesellschaften der Welt geprägt, so würde nach Vollendung der Fusion wieder eine amerikanische Gesellschaft das Zepter der mit Abstand mächtigsten Airline an sich nehmen können. Die in Atlanta, Georgia, beheimatete Delta Airlines wurde 1924 als Sprühflugzeuggesellschaft für Farmer in Louisiana gegründet, schließlich vom Geschäftsmann C.E. Woolman in die Delta Air Lines umgewandelt und beförderte unter diesem Namen fortan Passagiere.

Northwest Airlines wurde im Jahre 1926 gegründet und hatte ihren Firmensitz bis dato in der Nähe von Minneapolis im Bundestaat Minnesota.

Zusammenschluss zweier Luftfahrt-Riesen

Nach dem vollendeten Zusammenschluss der beiden Gesellschaften am 31. Januar 2010 fungiert das Gebilde nunmehr unter dem Markennamen Delta Air Lines, die Leitung verblieb beim Management der ursprünglichen Delta Air Lines.

Nach aktuellem Stand betreibt das Unternehmen eine Flotte von beeindruckenden 743 Verkehrsflugzeugen, wobei die von Northwest stammenden Flugzeuge nach und nach in die Farben von Delta umlackiert werden. Neben 41 ausstehenden Flugzeugbestellungen befinden sich zudem 319 geleaste Flugzeuge in Diensten von Delta, was die gesamte Flotte auf die gigantische Zahl von 1103 Flugzeugen wachsen lässt.

Mit dieser Großzahl an Fluggerät werden im gesamten Delta-Konzern, inklusive der Untergesellschaften und Regionalfluglinien, täglich im Schnitt 5.633 Flüge zu 355 weltweiten Zielen durchgeführt. Zum Vergleich dazu: die Flotte der Austrian Airlines umfasst derzeit 88 Flugzeuge.

Für den reibungslosen Ablauf im amerikanischen Konzern sorgen mehr als 75.000 Mitarbeiter, die in allen Abteilungen des Unternehmens tätig sind, ob Verwaltung, Kabinenpersonal oder Piloten. Jeder von ihnen trägt seinen Teil dazu bei, die gigantische Maschinerie Delta am Laufen zu halten und den jährlich fast 160 Millionen Passagieren einen angenehmen und sicheren Flug zu gewährleisten.

Während sich bei Austrian Airlines die Flugoperationen doch sehr stark auf den Flughafen Wien-Schwechat konzentrieren, so ist in den USA ein sogenanntes „Hub-System“ weiter verbreitet. Das bedeutet, dass eine Fluggesellschaft auch mehrere Flughäfen haben kann, auf denen sie sozusagen als „Platzhirsch“ tätig ist und von denen sie ihr Flugangebot bündelt. Im Fall von Delta sind das nicht weniger als zehn solcher Hubs. Dazu zählen neben den nationalen Flughäfen von Atlanta, Cincinnati, Detroit, Memphis, Minneapolis, Salt Lake City und dem Flughafen JFK in New York auch die internationalen Flughäfen Paris-Charles de Gaulle, Tokyo-Narita und das Drehkreuz Amsterdam-Schiphol. Der größte dieser Hubs ist hierbei gleichzeitig auch der Firmensitz von Delta in Atlanta. Mit jährlich über 88 Millionen Passagieren der größte Flughafen der Welt, fliegen doch fast 56% der hier beförderten Passagiere mit Delta.

Die größte Airline der Welt - ein Imperium in Zahlen

Mit einem Umsatz von mehr als 28 Milliarden US-Dollar im Jahr 2009 führt Delta auch in finanzieller Hinsicht das Feld mit großem Abstand an. Noch einmal zum Vergleich: Der Umsatz von Austrian Airlines im selben Zeitraum stellt mit knapp 886 Millionen US-Dollar einen Bruchteil des imposanten Ergebnisses dar.

Was einmal aus zwei kleinen Flugdiensten gegen Ende der 1920er Jahre entstand, bildet nun die größte Airline der Welt. Im Laufe des letzten Jahrhunderts sind Delta und Northwest jeweils für sich gewachsen, haben sich durch eine stetige Erweiterung von Flotte und Streckennetz langsam nach oben gearbeitet und durch die Übernahme kleinerer Airlines auch einen Wachstum von außen erlebt. Durch den Zusammenschluss zweier großer Fluggesellschaften ist eine gigantische Airline entstanden. Immerhin beträgt der Abstand auf Platz 2 der größten Fluggesellschaften der Welt, die ebenfalls in den USA beheimatete Billigfluggesellschaft Southwest Air Lines, gemessen an den Passagierzahlen knapp 60 Millionen Passagiere. Auf Platz 3 und 4 folgen mit American Airlines und United Airlines zwei weitere US-Linien. Auf Platz 5 findet sich dann mit dem Lufthansa-Konzern der erste Topplatzierte außerhalb der Vereinigten Staaten. Mit immerhin knapp 76 Millionen Passagieren jährlich schließt der aus Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines und einigen weiteren Beteiligungen bestehende deutsche Konzern dicht auf die vorderen Ränge auf.

Um Delta/Northwest allerdings von der Spitze verdrängen zu können, bedarf es entweder der Fusion zweier noch größerer Verfolger oder aber des Niedergangs des Delta-Imperiums. Auch wenn die Geschichte immer wieder zeigt, dass derart mächtige Konzerne oft nach der Blütezeit ihres Erfolgs eine Bruchlandung hinlegen, so dürfte der Zenit für Delta dennoch in der Zukunft liegen.

Forschung und Mitarbeiter als Zukunftsvorsorge

Und gerade um diese Zukunft sorgt sich Spitzenreiter Delta derzeit auf vielfältige Weise. So engagiert man sich dort nicht nur bei der Bekämpfung von Brustkrebs, was schließlich durch die Lackierung einer Boeing 757 in pinkfarbener Sonderbemalung besonders deutlich wurde. Auch die Erhaltung der Umwelt spielt eine wichtige Rolle und das Unternehmen unterstützt die Erforschung emissionssparender Antriebsstoffe ebenso, wie Recyclingprojekte für den an Bord anfallenden Müll oder die Entsorgung alter Flugzeuge.

Auch das Verhältnis zu den Mitarbeitern spielt in der Geschichte von Delta eine enorm wichtige Rolle. So herrscht innerhalb der Belegschaft ein starker Zusammenhalt, der in einer förmlichen Identifikation mit dem Unternehmen Delta mündet und nach außen den Eindruck einer großen Familie erweckt. Die Liebe der Angestellten zur Marke Delta ging sogar so weit, dass in Folge einer Wirtschaftskrise zu Beginn der 1980er Jahre eine Mitarbeiterinitiative ins Leben gerufen wurde, mit der 30 Millionen Dollar innerhalb der Belegschaft gesammelt wurden, um eine Boeing 767 zu kaufen, welche heute noch unter dem Namen „Spirit of Delta“ bekannt ist und inzwischen im unternehmenseigenen Museum in Atlanta ausgestellt ist.

So lange der Delta-Konzern seine Mitarbeiter im Rücken hat und den beschrittenen Weg erfolgreich weitergeht, wird es für die Wettbewerber im Luftfahrtbereich sehr schwer werden, den Steigflug des gegenwärtigen Imperiums Delta zu stoppen.

Text: Maximilian von der Hagen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Das etwas andere “Hostel”

Von Käsesandwich bis Kaviar – Hochgenüsse über den Wolken

LH400 – Eine Flugnummer im Wandel der Zeit