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Peter Woditschka, beinahe Astronaut

Dieses Mal im Portrait – Blick hinter die Kulissen freuen wir uns, eine Person vorstellen zu dürfen, die beinahe einen ganz außergewöhnlichen Beruf ergriffen hätte, der der Traum von Millionen Menschen ist. Ein Österreicher im Weltall. Dieser Traum wäre beinahe für Peter Woditschka, unter Freunden auch „Peternaut“ genannt, in Erfüllung gegangen.

Nun ist ja Österreich keine klassische Raumfahrtnation. Wie ist es geschehen, dass Sie sich ernsthaft für den Beruf Astronaut „beworben“ haben?

Die Europäische Raumfahrtagentur, kurz ESA, hat im April 2008 einen Aufruf in allen ESA-Mitgliedsstaaten gestartet, dass aktuell sechs neue Astronauten gesucht werden.  Österreich ist seit einigen Jahren Mitglied der ESA und daher waren auch Österreicher teilnahmeberechtigt.

Die ESA hat mit dem Spruch „Make a job out of a dream“ geworben und für mich war dieser Slogan so zutreffend, als wäre er direkt aus meinem Herzen gekommen.

Und übrigens: Österreich hat mehr mit Raumfahrt zu tun, als man auf den ersten Blick glaubt: Experten im Bereich Raumfahrtmedizin, Forscher, die sich mit Galileo (Anm. Redaktion: europäisches Satellitennavigationssystem) befassen, Industrieunternehmen, die Teile für Raketen bauen, usw.

Haben Sie auch bekannte Größen aus der Raumfahrt kennengelernt?

Für die Bewerber, die es bis ins Finale geschafft haben, hat die Astronautenselektion ein ganzes Jahr gedauert und während dieser Zeit hat man immer wieder aktive Astronauten kennengelernt; hauptsächlich europäische, vereinzelt auch amerikanische und japanische. Jean-Francois Clervoy, ein französischer Astronaut, hat mich ein paar Mal interviewt, ebenso der deutsche Astronaut Gerhard Thiele.

Außerdem habe ich ein paar Abende ganz ungezwungen mit Douglas Wheelock, einem NASA-Astronauten, über seine Weltraumspaziergänge, sogenannte EVAs – Extra-Vehicular-Acitivies, plaudern können. Das war für mich ein ganz besonderes Highlight.

Was war der Grund, weshalb Sie letztendlich doch nicht den Berufstitel Astronaut tragen?

Bei nur sechs Ausbildungsplätzen muss natürlich bei mehreren geeigneten Kandidaten eine Auswahl getroffen werden, die nicht mehr nur von den eigenen Qualifikationen abhängt. Die sechs ausgewählten Kandidaten müssen als Gruppe gut zusammenpassen, die unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen sollten sich gut ergänzen, usw. Daneben gibt es dann immer wieder Gerüchte, es wären auch noch politische Argumente von Bedeutung gewesen. Ich kann nicht beurteilen, inwieweit es reiner Zufall war, dass fünf von sechs ausgewählten Astronauten aus den vier größten Beitragszahler-Nationen (Frankreich, Italien, Deutschland und Großbritannien) kommen…

Von über 8400 Bewerbern sind 22 auf die Shortlist gekommen, das heißt, jeder einzelne von diesen Finalisten hat sehr viel geschafft und entsprechend freue ich mich auch darüber, soweit gekommen zu sein. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja doch noch irgendwann/irgendwo eine Möglichkeit für einen Raumflug.

Für alle jungen Leser, die nun ein bisschen Raumfahrtluft geschnuppert haben: Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um Astronaut werden zu können?

Entweder Testpilot oder ein Studienabschluss in den Bereichen Medizin, Naturwissenschaft oder Technik und ein paar Jahre Berufserfahrung war absolute  Grundvoraussetzung. Idealerweise hat man natürlich Pilotenschein und Studium.

Bei mir selbst war es so, dass ich Elektrotechnik studiert habe, danach vier Jahre lang als Forscher gearbeitet und dabei meine Dissertation gemacht habe. Als Hobby habe ich immer die Fliegerei ausgeübt und neben dem Beruf einen großen Teil meiner Freizeit in meine Pilotenausbildung investiert. Nach zwei sehr interessanten Jahren als Unternehmensberater in der Automobil und Luftfahrtbranche habe ich vor drei Jahren mein Hobby zum Beruf gemacht und fliege seither als Linienpilot für Tyrolean Airways.

Bei der ESA wurde jedenfalls sehr individuell beurteilt, wer das Zeug zum Astronauten hat. Es ist nicht so bedeutend, was man genau gemacht hat, wichtig ist, dass man gut darin ist, hat die ESA verkündet.

In Anbetracht dessen, dass die Raumfahrt bei weitem noch nicht so sicher wie die kommerzielle Luftfahrt ist, wie hat Ihr persönliches und vor allem privates Umfeld auf Ihren außergewöhnlichen Berufswunsch reagiert?

Meine Familie kannte ja meinen Traum. Dass es jemals so konkret werden könnte, das dachte kaum jemand.

Macht man sich selbst in dieser Situation denn auch mal Gedanken über die Sicherheit oder etwaige Unfälle?

Das Thema Unfallrisiko war sowohl im privaten Umfeld als auch bei der Astronautenselektion in einigen Gesprächen mit Psychologen ein Schwerpunktthema. Man muss wissen, worauf man sich dabei einlässt und wie man mit dem Risiko umgeht.

Nachdem Sie ja beinahe Astronaut wurden, einer der spektakulärsten Berufe überhaupt, können Sie nun unmöglich einen ganz „normalen“ Beruf ausüben, oder?

Ich liebe meinen Job als Pilot und genieße es jeden Tag in „meiner“ Fokker 100 über die Wolken zu steigen und den ersten Kaffee des Tages trotz Hochnebels in Wien in strahlendem Sonnenschein zu trinken. Nur ab und zu mischt sich große Wehmut darunter. Und zwar dann, wenn ich in der Abenddämmerung die Internationale Raumstation ISS über mich hinwegfliegen sehe.

Das heißt also, Sie hatten schon vor dem Gedanken an die Raumfahrt den „Boden unter den Füßen verloren“?

Ja, Pilot zu werden war mein Wunsch und den habe ich mir auch erfüllt. Astronaut zu werden wäre die Draufgabe, mit der man nicht rechnen darf, aber sehr wohl davon träumen und sich davon inspirieren lassen kann. Diese Inspiration, die von Astronauten ausgeht, ist meines Erachtens eines der wichtigsten Argumente für die bemannte Raumfahrt. Die Neugierde und den Forschergeist bei jungen Menschen zu wecken, Burschen wie Mädchen, ist eine wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft.

Eine letzte Frage zur Raumfahrt: Wenn Sie nun doch noch aktiver Astronaut werden würden, welchen persönlichen Gegenstand würden Sie auf Ihre Reise mitnehmen?

Gute Frage. Man darf sich private Dinge mitnehmen. Was das bei mir sein könnte, das hab ich mir noch nicht überlegt.

Wenn jemand schon so wagemutig ist, Astronaut zu werden, muss ja dessen Privatleben wohl auch spektakulär und vergleichsweise außergewöhnlich sein, oder?

Nun ja, ein bisschen verrückt muss man schon sein. Und ab und zu auch richtig kindisch. Ich finde es sehr spannend, neue Dinge auszuprobieren und liebe gelegentlichen Nervenkitzel. Einer der Höhepunkte diesbezüglich war mein Bungee-Jump von der Europabrücke. Meistens pflege ich dann aber doch sehr normale Hobbies wie z.B. Mountainbiking, mit Freunden und meiner Familie etwas unternehmen, mit den Nachbarn Schach spielen oder einfach am Strand die Füße in den heißen Sand stecken und die Gedanken buchstäblich durchs Universum schweifen lassen…

Text: Markus Kaspar
Fotos: Peter Woditschka

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